Gespräch mit meinem Vater über die Bedienung eines Beamers

Ich frage meinen Vater, ob er mir seinen Beamer leihen könnte. Er stimmt zu und schreibt mir einige Tage darauf, dass er ihn noch nicht verschickt hätte, weil er die Bedienungsanleitung nicht finde, woraufhin ich ihn anrufe.

 

ICH: Du kannst mir den Beamer auch ohne Anleitung zuschicken, ich lade mir die dann im Internet runter.
ER: Okay, dann schicke ich ihn dir heute noch zu. ABER du musst wirklich die Bedienungsanleitung runterladen.
ICH: Klar, mache ich.

 

Er ahnt, dass ich es nicht tun werde und fährt fort.

 

ER: Also, du musst dann da ins Gehäuse, das Licht siehst du nur, wenn der Beamer an ist und da sind dann die Schaltflächen (...) - und ganz wichtig: Nicht in den Beamer schauen, wenn er an ist!
ICH: Das mach' ich auch sonst nicht.

 

Mein Vater lacht verlegen.

 

ICH: Deine Kinder sind ja schon manchmal doof, aber so doof nun auch wieder nicht.
ER: Ich will nur nicht, dass du dich verletzt.

 

Ich beruhige ihn und wir beenden das Gespräch. In Wirklichkeit hat er eigentlich die nicht ganz unbegründete Angst, dass das Gerät nach meiner Benutzung nicht mehr funktioniert. 

 

Gespräche mit meinem Vater sind immer wieder herrlich!

BODY LOVE

Foto: Veronika Merklein
Foto: Veronika Merklein


An alle fetten "Ich ziehe mich aus und schreibe mir Body-Positivity" auf die Fahne slash Körper und retouchiere in Photoshop dann alle Dellen, Geweberisse und ähnliches weg... - wisst ihr was: Ich habe mir heute morgen "Body" auf meine linke und "Love" auf meine rechte Arschbacke geschrieben. In der frühmorgendlichen Stille und ohne Gewähr. Danach habe ich mir dann meine Hose übergezogen und bin in die Arbeit gegangen, wo ich während meiner Dienstzeit Weihnachtskekse zur Qualitätssicherung verkostet habe.

Art can happen when you run out of dish-washing liquid

Neuer Episode: PERSÖNLICHE EINLADUNG


Vor etwa eineinhalb Wochen werde ich mit persönlichem Begleitschreiben per Email von dem Schriftsteller und Regisseur X zum Theaterstück, das seine Partnerin Y geschrieben hat, eingeladen. Ich freue mich sehr darüber, da wir uns ja kaum kennen, und sage zu.

Heute war also jener Abend gekommen. Schon reichlich spät dran, kam mir mal wieder die leidliche Parkplatzsuche in die Quere. Seitlich rückwärts einparken in eine enge Parklücke mit teuren Autos vorne und hinten, nee, lass' mal lieber. Nach einigen Runden war mein Flitzer letztendlich in einer geräumigen Parklücke verstaut und ich hurdig am Weg zum Theater. Dort angekommen, wurde mit per Schriftzeichen am verschlossenen Tor klar gemacht, dass die Vorstellung bereits begonnen habe und nun kein Einlass mehr sei. - Den laminierten Zettel gekonnt ignoriert, habe ich dann allerdings doch geläutet und eine ziemlich genervte Theaterhausbesitzerin ließ mich eintreten. Ein wenig Demut, die Versicherung, dass ich PERSÖNLICH von X und Y eingeladen wurde und NUR die heutige Vorstellung anschauen könne, ließ sie dann erweichen und sie platzierte mich auf einem Hochstuhl hinten im Gang während das Einpersonenstück bereits im Gange war. Selbiger Extrawurstsitzplatz wurde mir dann auch beim vagen Anschein des Schlussapplauses schon unterm Hintern weggezogen und ich im gleichen Atemzug wienerisch höflich daran erinnert, nun den Eintrittspeis zu entrichten.

Nachdem sich dann die BesucherInnen sowie die AkteurInnen des Abends langsam im Foyer einfanden, fiel mir schlagartig ein, dass X, Y und ich uns derart lange nicht mehr gesehen hatten, genau genommen hatten wir einen einzigen, wenn auch lustigen Abend miteinander verbracht, so dass ich mich nicht mehr an ihre Gesichter erinnern konnte. Ich verschwand also schnell auf die Toilette und googelte Fotos von X und Y. Nach meiner Rückkehr ging ich selbstsicher auf X zu und stellte mich in einer kleineren Runde dazu. Als X mich dann ansah, grüßte ich ihn. Er widerum schaute ziemlich ungläubig zurück: "Kennen wir uns?" - Ich erwiderte etwas perplex: "Ähm, du hast mich PERSÖNLICH eingeladen?" - X: "Ah, ähm, woher kennen wir uns? Ich bin leider so vergesslich, da kannst du Y fragen? - hahaha" - Ich: "Ja, hahaha. Wir kennen uns über Z." - Nachdem Y herbei gezehrt wurde - Y: Ja, X ist wirklich vergesslich - passt ja ganz gut zum Inhalt des Stücks. hahaha" - Ich: " X scheint ja ein gutes Vorbild gewesen zu sein... - hahaha."

Nach dieser Peinlichkeit haben sich X und Y dann fluchtartig in andere Gespräche vertieft und um uns allen noch weitere Unannehmlichkeiten zu ersparen, habe ich mich dann mit einem Schnittlauchbrot "auf's Haus" wortlos an der rauchenden Schauspielerin vorbeigeschoben und bin in die Nacht verschwunden.

Episode: Back in Vienna

Yesterday I dared talking to someone I did not know.

He was part of the performance evening "Raw Matters" I cooked for. I lighted my cigarette with his matches and did the attempt to chit-chat with him and his companion. After seven months in the US I forgot about the weirdness of JUST talking to someone here in Vienna. Of JUST being interested in someone I do not know yet. Of JUST enjoying some company while having a cigarette. - After I apologized for disturbing the conversation I ended up at the bar by myself several times to be asked if I am about to order something. I answered: "I JUST want to smoke my cigarette."

Later that night after I parked my car I walked home. On the end of a street I saw bright shining light out of a single window next to the cemetry. When I got closer I recognized a nicely decorated room of the cemetry's flower shop which was prepared for the resurrection of Jesus. I guess, without judging, this lonely celebration is part of Vienna's identity.


March, 2015

How to waste 35 bucks and 1 1/2 hours at a bank.


Yesterday I went to the bank. I put my check and my passport on the counter and asked the lady to cash my check. - She looked at me and asked me if I have an U.S. bank account and I looked bank and declined and politely asked her again to cash my check. She looked at her colleague and started to talk to her. Then the colleague asked me if I have a residential card. I declined and said that I am only here for a couple of months. I am an artist in residence, I said. Big mistake! - It took me another couple of minutes to explain both that I am not a student and blahblahblah. Both looked at me, puzzled. But with this "You are a cheater-a gangster-an outcast-kindoflook. The second one continued and said it needs to be proofed that I REALLY live in Chicago. Well, I said, there is the letter of the consulate of what the check is ripped off which tells my address and my name. Again, they both started talking to each other. Well, the first one said, it is a high amount of money. I confirmed her impression. She said, she cannot cash the money without residential proof and she has to talk to a banker. I waited. - A couple of minutes later a banker showed up and asked me to follow him to his office. After being seated he asked me if I have any utility bills. I answered: Well, I have utility bills but it won't show my name as the apartment is rented by the Austrian government. He was puzzled, he left and came back. He said he cannot cash me the check but I can open an account. I declined as I told him I only want the money. He left again, came back having a sheet of paper in his hand. The title: "terms of use". Blahblahblah. Left and came back again. He smiled like having THE solution. He said I can cash the money at the currency exchange around the corner. I am like "but that'll cost fees". He confirmed. I said that it is a high amount of money and it'll cost A LOT OF fees. He confirmed. Well, I said, it seems like my case is not part of your "terms of use"… He left and came back. Again, he said, the only possibility is to open an account which has to be open at least for three months. I was desperate and confirmed. It is for free, he said, and continued talking about pay-checks of my employer. Well, I said, there is no monthly pay-check, I am self-employed. Well, he said, if so you need to have at least 1500$ on your account not paying a monthly rate. Well, I said, I am an artist. - And it took another half hour to open the account and another visit at the counter to get the money cashed. - AND we all lived happily ever after.

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Episode: Tag 65 in Amerika / Halloween

Vom Rübengeist zu Halloween: Während man in Wien, vermutlich in ganz Österreich, zu den jeweiligen Friedhöfen pilgert, gar ein freizeitstressendes Friedhofs-Hopping veranstaltet, schmückt man sich hier in Amerika am Hallow Eve mit klaffenden Wunden, Totenköpfen und Ebola-Anzügen. Letzteres war zumindestens der diesjährige Halloween-Skandal.

Ein kleiner Rückblick: Hin und wieder arbeitete ich an Allerheiligen oder auch an Allerseelen, in der Nähe des Zentralfriedhof Wiens, einer der größten Friedhöfe Europas. Das erste Allerseelen ist mir noch lebhaft in Erinnerung, da ich auf der sonst im wahrsten Sinne des Wortes toten Strecke, die an eben genanntem riesigen Friedhof vorbeiführt, ziemlich alleine in der Strassenbahn saß. Dieses Mal sollte es anders sein, die Bahn war gesteckt voll, an den mehreren Toren und zeitgleich auch Haltestellen entstiegen Massen den Strassenbahnen, um in Richtung ihrer Ahnen oder zumindest das, was davon übrig blieb, zu pilgern. Der Weg ist an jenem Tag von hunderten floristischen Einzelhändlern gesäumt, die versuchen den Allerseeligsten tröge vertrocknete Gestecke zu verkaufen. Je nach Gusto wird vorab oder hinterher oder vorab und hinterher noch die ein oder andere Bratwurst, Käsekrainer oder Debreziner verhaftet. Der Geruch dieser Wurstbuden durchdringt nicht nur die Bahn, sondern legt sich vermutlich auch als Film über die angrenzenden Gräber. Ich meine auch, Fahrgeräte für Kinder gesichtet zu haben, bin mir allerdings nicht mehr ganz sicher, ob diese lediglich meiner Phantasie entspringen.

Die öffentliche Unterhaltungsveranstaltung Halloween hingegen, also der Vorabend zu Allerheiligen, wird hier in Amerika ganz anders zelebriert. Schon vorab findet man überall mittelschlecht bis schlecht dekorierte Halloween Pop-Up Shops mit Zombies, Skeletten, blutüberströmten Körpern, verführerischen Dessous, aufklaffenden Wunden und Merchandising Artikeln jedweger Horrorklassikercoleur. Ich finde zugegebenermaßen einigermaßen verstörend, Facebooknachrichten von FB-FreundInnen zu erhalten, die ihre Gärten mit massenhaft Grabsteinen, Spinnweben und Zombies schmücken und das auch noch well prepared zu finden.
Vor zwei Wochen schaute ich mir als Vorbereitung "Night of the living Dead" an. In Wirklichkeit reicht mir eigentlich schon der Titel um einen angsteinflößenden Schauer über meinen Rücken zu jagen. Genau genommen habe ich mich gleich bei der ersten Zombieszene als ein Zombie das Auto von Barbara und Johnny (Johnny war bereits erledigt worden) einschlägt, dermaßen gegruselt, so dass mich meine Freundin Julia, die zufällig zugegen war, im wahrsten Sinne des Wortes völlig entgeistert anschaute. Ich habe mich dann dafür entschieden, mich per Zufallsprinzip durch den Film zu klicken, da ich mir nicht vorstellen konnte, dass ein derartiger Horrorklassiker die nächsten eineinhalb Stunden lediglich von einem Schlagabtausch zwischen der Screaming Queen und dem Zombie, beide eher ungesprächig, leben konnte. Letztlich landete ich bei Wikipedia, um den gesehenen Ausschnitten einen Sinn einzuhauchen.

Was das bevorstehende Gruselgroßereignis betrifft, so habe ich mich jedenfalls schon bestens gedanklich vorbereitet. Ich wohne im dritten Stock, das hält mir schon die meisten Fakezombies in Kleinformat vom Leib. An jedes meiner neun Fenster werden Rübenköpfe bzw. Kürbisse stationiert, um wie ehemals, die bösen Geister abzuwehren. Und falls sich doch wer in mein Stockwerk verirrt, so werde ich einfach nackt die Türe öffnen. Übergewichtige Körper wirken auf Kinder hoffentlich einschüchternd. - Leider wurde ich mittlerweile von einer Freundin zu einer Halloweenparty eingeladen und so müssen die Kürbisse ohne mich auskommen.

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Read-made (Zwischenmenschliche Kommunikation)

Ich finde meine antiquierte Gegensprechanlage wäre ein konstruktiver Vorschlag, um zwischenmenschliche Gespräch konstruktiver zu gestalten. // I think my antiquated intercom would be a constructive proposal to make interpersonal conversation constructive.

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Amerika: Tag Eins

Genfrüchtchen (Die Birne vorne im Bild ist zum Vergleich normal dimensioniert.)
Genfrüchtchen (Die Birne vorne im Bild ist zum Vergleich normal dimensioniert.)

Die Überraschung des Herrn am Schalter des amerikanischen Konsulats in Wien hätte mir zu denken geben sollen, als er mich nach einigen dämlichen Fragen meinerseits ziemlich überrascht fragte, ob ich denn noch NIE ein Visum beantragt hätte. Darauf zu antworten, kam ich nicht…

Um vier hat mich mein Biorhythmus mit der Bemerkung "Von dir lasse ich mich nicht verarschen" geweckt. Ich hatte ihm am vorigem Abend klar gemacht, dass wir bis halbzehn durchstehen müssen. Nach etwas morgendlichem Umhergeistern, einigen Multigrain-Toasts und einem Vollbad und natürlich einer Menge Zeit Nichtstun, aus dem Fenster gucken und so weiter, habe ich mich dann entschlossen, es zu wagen: Vor die Türe zu gehen.

Als der Bus mit der vielversprechenden Aufschrift "To the beach" mir dann vor der Nase weggefahren war, stand ich minutenlang herum, beobachtete die riesigen vorbei schepperenden Trucks und die amerikanischen Autos. Wirklich, da können die europäischen LKWs scheißen gehen. Jedenfalls fühlte ich mich wie am ersten Tag im Gymnasium. Nachdem man schon die Große in der 4ten Klasse Grundschule war, steht man plötzlich in der neuen Schule: alles ist groß, neu und unüberschaubar. Nach einer Unentschiedenheitsphase beschloss ich, meine Reise zu Fuß fortzusetzen, konnte mich dann allerdings einige weitere Minuten nicht entscheiden, in welche Richtung diese ihre Fortsetzung finden sollte. Die Idee einfach eine Bushaltestelle weiter zu gehen, überzeugte mich letztlich. Auf dem Weg wurde mir dann der Bus mehr als egal und ich ging weiter - unter einer Brücke hindurch, die derartig rostig war, dass ich gewisse Befürchtungen hatte, darunter begraben zu werden. Unter dieser Brücke lebten auch Obdachlose, und es war mir peinlicherweise unheimlich. Ich hatte keine Ahnung, ob ich mich vielleicht doch in ein falsches Viertel verlaufen würde und dies bereits der Eingang zur "Hood" war und mir selbstverständlich der Kopf aus Versehen oder mit Absicht weggeschossen würde. Nun ja, nichts von dem ist passiert. Needless to say.

Am Weg fand ich dann einen Laden, Stanley's. Ich beschloss dort einkaufen zu gehen, weil ich es ohnehin vor hatte. Ich nahm einen Einkaufswagen und rollte in den Laden hinein, der mir aufgrund seiner Gemüse- und Obstvielfalt bei niedrigem Preisniveau empfohlen wurde. Drinnen angekommen, kam ich aus dem Staunen nicht heraus. Ebenfalls needless to say, dass hier einfach alles größer ist. Alles. In Australien freundete ich mich damit an, dass alle Tiere einfach mal 2-3 mal größer sind. Hier ist alles außer den Tieren größer. Ich fand mich wieder vor aufgetürmten Obst- und Gemüsemassen, die ungefähr auf Kinnhöhe anfingen und sich wie Wolkenkratzer den Deck schoben, weswegen überall "Stockerl" herumstanden, auf die man sich stellen konnte, um die Lebensmittel zu erreichen, wenn man nicht ohnehin groß genug war. Ich machte also eine gefühlte Stunde meine Runden mit dem Einkaufswagen, und nein der Laden war nicht groß. Nach langer Faszination von Früchten und Gemüsesorten umgeben zu sein, die größer waren als alles, was ich bisher gesehen hatte, beschloss ich einige dieser zu erstehen. Der Kunst wegen… Was ich dabei nicht bedacht hatte, war, dass ich nicht wie die anderen mit einem fetten Schlitten oder zu mindestens einem fahrbarem Untersatz vorgefahren war. Und so stand ich mit sechs ultraschweren Plastiktüten bepackt vor dem Laden. Und ich hasste mich, nein, ich hasste ES bereits. Ich wusste der Heimweg war, nein, ich konnte es nur ungefähr einschätzen. Und klugerweise nahm ich dann auch noch einen Weg, den ich nicht kannte. Entlang des Highways, der mir keine Über- oder Unterführung gewährte. Einen Weg, der mir vorkam, als würden hier nur Lebensmüde und/oder verirrte TouristInnen unterwegs sein. Selbstverständlich hatte ich einen Stadtplan eingepackt, so blöd war ich ja auch nicht, doch stellte sich schnell heraus, dass ich genauso eine Karte mitnehmen hätte können, auf der man die Bundesstaaten der USA und ihre Landeshauptstädte ablesen kann, da meine mir nicht vielmehr Auskunft gab, als auf die wirklich großen Avenues und Highways hinzuweisen...

Kurzum, der Heimweg war scheiße, aber ich habe es geschafft. Ich habe es dank meines guten Orientierungsvermögens und dem Fakt, dass hier die meisten Strassen im Raster verlaufen, geschafft. Währenddessen habe ich den Gedanken schwanger getragen, doch ein Taxi zu nehmen. Nur heute. Scheiß auf's Geld, habe ich gedacht. Zuhause angekommen habe ich dann mit aller Entschiedenheit beschlossen, das HAUS HEUTE NICHT MEHR zu verlassen. Und ich habe es durchgezogen!

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Episode: Frauen und Technik

Zwei Elektriker tauchen unangemeldet, aber dennoch sehnlichst erwartet, bei mir auf, Meister stark nach Alkohol riechend und sein junger Hiwi.

Ich: "Im Klo gibt's kein' Strom."
Meister: "Jo, unten im Keller war er auch abgedreht."
Ich: "Hat mir niemand gesagt. Die haben da letzthin unten - "

Meister dreht die Heizung auf: "Funktioniert einwandfrei."
Ich: "Sehr gut."
Meister schaut sich meine Lampeninstallation an: "Wer hat 'n das gemacht?!"
Ich: "Ich..."
Meister denkt sich "Frauen und Technik"

Meister zu Hiwi: "Schraub' die Lampe da ab und an den anderen Anschluss an. Und dann schraub' auch gleich die Lampe mit zwei Schrauben an die Wand."
Ich: "Braucht's ihr Schrauben?"
Meister: "Was, Sie haben Schrauben!?"
Ich launig: "Jo, sowas gibt's sogar in einem Frauenhaushalt!"

Ich hole die Schrauben und frage den Hiwi, nachdem er sich mit einem Schraubenzieher abmüht: "Brauchst du 'nen Akkuschrauber?"
Hiwi: "Geht schon."
Zwei Minuten später.
Hiwi: "Kann ich doch den Akkuschrauber haben?"

Ich höre den Meister aus'm anderen Raum: "Was, 'n Akkuschrauber hat sie auch?!" - In meine Richtung: "Sie können gleich bei mir in der Firma anfangen."
Ich: "Wenn ich dafür meinen eigenen Akkuschrauber brauch', lieber nicht."

Wenige Minuten später höre ich nur noch das Signal, dass das Licht wieder brenne und der Prolet und sein Hiwi verabschieden sich in den Tag.

 
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Geschichten, die das Leben schreibt #2

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Episode: Sich fühlen wie die alte Sophia Loren

Voriges Jahr meinte eine Freundin zu mir, wir standen in einem wunderschönen ältlichen Zimmer einer Triester Pension: "Veronika, du siehst heute aus wie die junge Sophia Loren!" - Worauf ich erwiderte: "Fühlen tue ich mich aber wie die alte!" - So ähnlich geht es mir heute, abgesehen von chronischer Nackenverspannung, leide ich seit einer Woche erstmalig an Schwindel und gestern habe ich mir erstmalig das Knie verrissen. Meine erste Privatdiagnose fiel allerdings auf Thrombose, weswegen ich zu meinem Freund am Telefon meinte: "Wenn wir uns morgen nicht mehr hören, bin ich vielleicht gestorben." - Offensichtlich hat er mir aber nicht zugehört und vorgezogen einer Dokumentation eines viel wichtigeren Künstlers im Fernsehen zu folgen: Ai Weiwei. Pathos ist wohl nicht so seine Sache und mein Weg zum Arzt, am besten zu einem Allrounder mit Bagatelldiagnose und Allheilmittel steht noch humpelnd bevor.

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Überwintern in Süditalien Nr.1

Ich stehe an einer Klippe direkt vor den Weiten des adriatischen Meeres und unweit des Hauses, in dem ich wohne und denke mir: So oder so ähnlich müsste wohl das Paradies sein (okay, vielleicht 10-25 Grad wärmer), um mich daraufhin in eine dicke Kackwurst einer Möwe zu setzen.

Sitzend beobachte ich den Wellengang und Fischer, die in der Nähe ihre Netze richten, bewerte mit meinem Liebsten die Wucht der aufprallenden Wellen auf einer Skala von 1-10 und sinniere über die Scheiße an meinem Arsch.

Das Paradies ist eben doch kein Ponyhof.

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Thema: Lustige KünstlerInnen (Aprilscherz)

Bekomme heute eine Absage von einem Förderansuchen: Auf telefonische Nachfrage, ob dies ein Aprilscherz sei, wurde meine Anfrage belustigt aufgenommen, dennoch ebenfalls verneint und mir einen schönen Tag und viel Glück für das nächste Mal gewünscht.

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Thema: Interessierte Kunstbetrachter

Vor einer Arbeit von Sophia Süßmilch, Foto: Veronika Merklein
Vor einer Arbeit von Sophia Süßmilch, Foto: Veronika Merklein
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Geschichten, die das Leben schreibt. #1

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Episode: Lachanfall am Postkasten

Nach dem Öffnen meines Postkastens finde ich einen Brief des Arbeitsmarktservice. Mir schwant Böses. - Nichts desto trotz öffne ich ihn, um in meinem Hausflur in einen herzlichen, nicht enden wollenden Lachanfall zu verfallen, während ein Nachbar entgeistert blickend an mir vorüber geht. Ich lese: "Mentoring für MigrantInnen ab Herbst 2014". - Selten so eine euphemistische Blödheit gelesen.

Wie dem auch sei, zum Glück migriere ich im Spätsommer vorübergehend ins nicht-europäische Ausland.

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MEINE GEBURTSTAGE

MEINE GEBURTSTAGE

Ich glaube, ich bin gerade fünf geworden, da habe ich neonfarbene Rollschuhe bekommen, das war cool! - Den Siebzehnten verbrachte ich mit meiner Familie auf Sardinien auf einem Schiff, habe frisch gefangenen Fisch und Garnelen gespeist und bin dann geankert per Kopfsprung von Bord gegangen, um an einen wunderschönen Sandstrand zu schwimmen. Klingt nicht nur wie im Märchen, war auch so. An meinem einundzwanzigsten Geburtstag war ich im "australischen Winter". Ich erinnere mich an ein Foto, auf dem ich jung aussehe, ein blaues T-Shirt trage, lache, versuche selbst nichtrauchend eine Zigarette zu drehen und Arm in Arm mit meinen Freunden aus Alice Springs an einem Tisch sitze. Den siebenundzwanzigsten Geburtstag verbrachte ich mit der österreichischen Crème-de-la-Crème im Wiener Hilton Hotel mit einem gefühlt 30 Meter langen Buffett - genauer gesagt mit Klaus-Maria Brandauer und allen, die sich gerne in seiner Gegenwart aufhielten. Per Telefon habe ich dann meine Freunde und Bekannte eingeladen, die sich auch nicht lange bitten ließen und wir haben dort ausgelassen gefeiert, sprich gefressen und gesoffen bis sie die Schmarotzer hinaus warfen. An meinem dreissigsten Geburtstag hatte ich schlechte Laune, warum auch immer. Meine Mutter hat am Telefon geheult, weil ich dreissig geworden bin und sie zu dem Zeitpunkt selbst schon drei Kinder hatte bzw. das letzte der drei am selbigen Tag bekam und weil man mit dreissig dann 'ne richtige Frau ist oder erwachsen oder sowas. Mein Vater hingegen dachte ich sei Suizid gefährdet, was ich dann am darauf folgenden Tag geglückt dementieren konnte. Meinen Zweiunddreissigsten, also heute, war ich auf dem Gericht und musste mich von der Richterin darüber belehren lassen, dass man eine Selbstständigkeit, mit der man nicht genug Geld für's Leben verdient, aufgeben sollte. Und jetzt der Nachsatz (O-Ton): "Ich halte viel von Kunst!" - Die Belehrung tat im Übrigen nichts zur Sache. Mein Freund meinte daraufhin launig: "Dieser Geburtstag kommt wohl knapp nicht unter die Top30!" - Ohne pathetisch zu werden, ich wünsche mir zum heutigen Geburtstag mehr Wertschätzung der Lebensleistung von KünstlerInnen jedweger Ausrichtung!

Zum Abschluss noch eine kleine Anekdote: In Stuttgart gab es anno dazu mal einen Stadtstreicher, der immer an dem selben Aufgang des Hauptbahnhofs, besser bekannt als Stuttgart 21, mit einem Schild saß, auf dem zu lesen stand: "Ich habe heute Geburtstag!" - Danke an alle, die heute an mich denken und gedacht haben!

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Episode: Sinnlose Transporte während der WM

Ich leihe mir einen Transporter einer Freundin, um mir einen kostenlosen Kleiderschrank abzuholen. Beim Abholort parke ich auf Anhieb wie 'ne Eins ein und das auch noch direkt vor der Haustüre. Soweit alles mehr als planmäßig. Ebenso die Schlepperei des im Erdgeschoss befindlichen Schrankes. Nachdem der Schrank verladen ist, fahren wir durch die halbe Stadt, um ans Ziel zu gelangen. Dort angekommen, bringen wir diesen bis ins Treppenhaus, viel weiter sollte er lebendig auch nicht mehr kommen. Wir stellen nach zweimaligem Hieben und Stechen fest, dass wir ihn zusammengebaut einfach nicht um die Kurve bringen. Ich denke mir: "Klor, wenn da Herrgott ned will, nutzt des gornix". Auf dem Rückweg ins Erdgeschoss kommt uns der allerwerteste - Schrank schon von selbst "entgegen", in dem er langsam auseinander fällt. Noch immer gewollt, den Schrank lieber tot als lebendig in die Wohnung zu transferieren, beschließen wir einen Akkuschrauber zu Rate zu ziehen. Okay, Akkuschrauber geholt, Batterie zum Glück geladen. Wieder zurück beim Schrank, stelle ich fest, dass ich keinen blassen Schimmer habe wie ich die Feststellschrauben rausdrehen soll, woraufhin ich Gott und die gesamte Welt verfluche und mein Freund konstruktiv vorschlägt zu versuchen, den bereits wackeligen, dennoch wesentlich leichteren Korpus hochkant hoch zu tragen. Ich halte dies zwar augenblicklich für eine Kamikazeaktion, womit ich auch recht behalten sollte, habe aber sichtlich entnervt keinen besseren Vorschlag. Auf dem Weg zur dritten Stufe, verwandelt sich der eigentlich quaderförmige Körper in eine ungute Rautenform. Während ich in unsanfter Tonlage auf die Akutverschlimmerung hinweise, bricht uns das Teil unter lautem Getöse auseinander. Emotionslos meine ich: "So, jetzt wäre er auseinander gebaut."

Auf dem Nachhauseweg hören wir dann "Blowing in the wind" von Bob Dylan während im Laderaum die Überreste des ehemaligen Ikeamodells auf ihre letzte Ruhe auf dem Kleiderschrankfriedhof warten. Zuhause angekommen meine ich nur: "Was für ein Scheißtag!" - Mein Freund darauf: "Wieso, Costa Rica hat gegen Italien gewonnen!"

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Thema: Depp des Tages - Vom Farbbild zum Schwarzbild

  1. Thema: Depp des Tages - Vom Farbbild zum Schwarzbild

    Ihr kennt doch die Bändel an Kameras, in meinem Fall eine kleine feine Kompaktdigitalkamera. Und diese Bändel sind dazu da, dass man sie sich um das Handgelenk macht, damit die daran befestigte Kamera einem nicht aus Versehen aus der Hand fällt.- Ich habe sie mir nicht um's Handgelenk gemacht, eh klar. - Nachdem sie den Abflug auf den 90cm entfernten Boden gemacht hat, funktioniert sie tatsächlich noch tadellos, sie macht ein schwarzes Bild nach dem anderen, niedrig aufgelöst, hochaufgelöst. Und das Beste an der ganze Sache ist, dass mir das Teil deshalb entglitten ist, weil ich an dem Drecksbändel hängen geblieben bin.
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